15. November 2018

Fachpresse-Gespräch mit der Fachvereinigung Mineralwolleindustrie

Die Fachvereinigung Mineralwolleindustrie (FMI) fordert eine eigene Abfallschlüsselnummer für alte Mineralwolle-Abfälle und weist auf fehlende Vorgaben für eine auch praktisch umsetzbare, fachgerechte Entsorgung von Mineralwolle hin. Das „Gutachten zu Fragen der Charakterisierung, Einstufung und Abgrenzung von Mineralwolleabfällen“ von Universitätsprofessor Roland Pomberger unterstützt dieses Vorhaben.

Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) plant in den nächsten Wochen und Monaten eine Novelle des Abfallverzeichnisses. Doch FMI-Vorstandsvorsitzender Udo Klamminger warnt: „Mineralwolle-Abfälle, können aufgrund der derzeitigen Regelung praktisch nicht fachgerecht entsorgt werden. Wir brauchen eine ganzheitliche Lösung, um mögliche Folgeprobleme bereits im Vorfeld auszuräumen.“

Wie derzeit entsorgt wird

Änderungen der Vorgaben für den Rückbau von Gebäuden haben dazu geführt, dass Mineralwolleabfälle als eigenständige Abfallfraktion anfallen. Dabei hat sich nun herausgestellt, dass die bestehenden Regelungen für die Entsorgung dieses Abfallstroms in der Praxis nur sehr schwer bis gar nicht umsetzbar sind, da derzeit die Mineralwolleabfälle derzeit auf die gleiche Art entsorgt werden müssen wie asbesthaltige Abfälle.

Was passiert

Dämmstoffe werden nicht nur von Großunternehmen, sondern von überwiegend mittelständisch geprägten Unternehmen eingesetzt: Bauunternehmen, Dachdeckereien, Zimmerer und Holzbauer, Sanitär/Heizung/Klimaanlagenbetriebe, Elektroinstallationsbetriebe, Maler-, Trockenbau-, Fliesenlege-, Stuck- und Fassadenbaubetriebe, etc. nutzen die Vorteile des Baustoffes.
Doch aufgrund der Novellierung fallen für die Entsorgung von Mineralwolle deutlich höhere Kosten an, die beim bis zu 14fachen des früheren Preises liegen. Die betroffenen Unternehmen müssten also ihre Preise erhöhen – und dadurch Umsatzrückgänge befürchten. Insbesondere in Grenzregionen sind sie zusätzlich durch den Wettbewerb mit Anbietern aus den Nachbarstaaten benachteiligt. Doch auch die Entsorger und die Deponiebetreiber sind von den Kostensteigerungen betroffen. Letztere werden mangels geeigneter Deponiemöglichkeiten mit dem Problem eines Entsorgungsstaus konfrontiert.

Es droht also ein Sanierungsstau oder gar ein Sanierungsstopp, den die FMI verhindern möchte. Klamminger: „Energie- und klimapolitisch sinnvolle und notwendige Sanierungsmaßnahmen sollten aufgrund dieser vermeidbaren Mehrkosten nicht in den Hintergrund gedrängt werden!“ Zudem würden Mineralwolleabfälle als Rohstoffe der Zukunft nicht mehr eingesetzt werden können, was nicht im Sinne der Grundsätze der Kreislaufwirtschaft wäre.

Was geplant ist

Mineralwolleabfälle sollen künftig die neu zu schaffende Schlüsselnummer SN 31437 41 g erhalten. Diese Schlüsselnummer steht für „Asbestabfälle, Asbeststäube und andere Mineralfasern mit asbestähnlichen Eigenschaften, Mineralfasern mit gefahrenrelevanten Eigenschaften“. Dazu Universitätsprofessor Roland Pomberger: „Dafür existiert aus wissenschaftlicher Sicht keine Veranlassung und es widerspricht zudem den allgemeinen Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft.“

Was dagegen spricht

Die Beschreibung der neuen Schlüsselnummer trifft auf Mineralwolle nicht zu. Sie ist irreführend und suggeriert, Mineralwolleabfälle seien hochgefährlich. Das ist falsch und wissenschaftlich widerlegt. Mineralwolleabfälle sind nicht gefährlicher als die meisten anderen Bestandteile von Bauabfällen. Sie müssen daher auch in Zukunft wieder sach- und fachgerecht entsorgt werden können.

Warum Mineralwolle- und Asbestabfälle nicht vergleichbar sind

Qualitätsmineralwolle wird aus natürlichen Rohstoffen (Steinen, Sand) und aus Recyclingmaterialien (Altglas) gewonnen. Sie ist daher ökologisch und natürlich sowie recycle- und wiederverwendbar. Durch ihre Alterungsbeständigkeit ist Mineralwolle darüber hinaus besonders wirtschaftlich und durch ihre einfache Handhabung problemlos zu verarbeiten. Mineralwolle und Asbest unterscheiden sich grundlegend in ihren Eigenschaften.

Unterschiede im Detail

Struktur:

  • Mineralwolle besteht aus künstlich hergestellten Mineralfasern mit glasartiger Struktur. Ihre Eigenschaften werden im Herstellungsprozess definiert und ständig kontrolliert.
  • Asbest ist eine Naturfaser mit kristalliner Struktur.
  • Mineralwollefasern brechen quer zur Faser und werden dadurch zunehmend staubähnlicher.
  • Asbestfasern brechen längs zur Faser und werden bei gleichbleibender Länge immer dünner.

Biolöslichkeit:

  • Mineralwollefasern sind biolöslich. Ihre biologische Halbwertszeit (Zeit, in der der menschliche Körper die Hälfte der Fasern aus der Lunge transportiert hat) liegt bei gut vierzig Tagen („alte“ Mineralwolle bis zum Herstellungsjahr 1998) bzw. bei aktuellen Produkten unter 40 Tagen („neue“ Mineralwolle ab 1998).
  • Asbestfasern sind praktisch unlöslich, ihre biologische Halbwertszeit beträgt Jahre und Jahrzehnte.

Gefahren-Einstufung

  • Mineralwollefasern sind vom IARC nicht als krebserregend eingestuft.
  • Asbest wird vom IARC als krebserregend eingestuft.

Warum Mineralwolle kein Gesundheitsrisiko darstellt

Mineralwolle ist gesundheitlich unbedenklich. Die IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) kam bereits 2001 zu dem Schluss, dass eine Klassifizierung als kanzerogen für Mineralwolle nicht gerechtfertigt sei.
Im Rahmen der Untersuchungen im Jahr 2001 hat die WHO in ihrer Monografie 81 auch bereits vorliegende Studien einbezogen. In diesen enthalten waren die Untersuchungen an mehr als 40.000 Arbeitern, die über einen Zeitraum von 30 Jahren mit Mineralwolle hantiert haben und bei denen Mineralwolle zu keiner erhöhten Krebsrate geführt hat. Die Qualitätsmineralwolle, die von den FMI-Mitgliedsunternehmen vertrieben wird, ist darüber hinaus mit dem EUCEB- oder RAL Gütezeichen gekennzeichnet und damit zusätzlich als gesundheitlich unbedenklich bestätigt.

Credits: Fachvereinigung Mineralwolleindustrie/Richard Tanzer, Abdruck honorarfrei

Fachvereinigung Mineralwolleindustrie – www.fmi-austria.at

Die Arbeitsgemeinschaft Fachvereinigung Mineralwolleindustrie (FMI) wurde 2006 von den Fachverbänden der Stein- und keramischen Industrie, der Glasindustrie und dem Bundesgremium des Holz- und Baustoffhandels gegründet.

Ziel und Zweck der Fachvereinigung Mineralwolleindustrie (FMI) ist es, die allgemeinen, ideellen und wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder wahrzunehmen und die gemeinsame Weiter-entwicklung der technischen und wirtschaftlichen Grundlagen für den ökologischen und ökonomischen Einsatz von Mineralwolleprodukten und -systemen zu fördern.
Auch die Förderung des Einsatzes geprüfter Produkte und bewährter Systeme im Neu- und Altbaubereich/Sanierung, besonders unter dem Gesichtspunkt der Energieeffizienz durch die Paris-Ziele, steht im Vordergrund des Engagements der FMI.

Mitglieder der Fachvereinigung Mineralwolleindustrie (FMI) sind die in Österreich agierenden Unternehmen Knauf Insulation GmbH, Rockwool Handelsgesellschaft m.b.H., Saint-Gobain Isover Austria GmbH und Ursa Dämmsysteme Austria GmbH, welche Mineralwolle für den öffentlichen und privaten Hochbau und sonstige Zwecke herstellen und/oder vertreiben. Die Geschäftsführung der Fachvereinigung Mineralwolleindustrie (FMI) wird vom Fachverband der Stein- und keramischen Industrie übernommen.


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Kontakt

Kampagnenbüro c/o ikp Wien
Eva Fesel / Peter Hörschinger
Museumstr. 3, 1070 Wien
Tel.: 01 524 77 90-0
Mail: fmi@ikp.at
Fachvereinigung Mineralwolleindustrie
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
Tel.: 05 90 900 DW 3534
Fax: 05 90 900 11 3534
Mail: Robert.Wasserbacher@wko.at

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